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Unser Blog "CORONA auf dem Nachbarkontinent Afrika" ist am 4. Juli 2020 umgezogen ->> https://www.imbuto-blog-corona.de/

Mulisanze Karibuni Willkommen Soo dhawow  Bienvenue  Welcome   السلام عليكم  Salem aleikum - der Friede sei mit Dir!

CORONA auf dem Nachbarkontinent Afrika - ein Blog zu vielen Themen * gespeist aus zahlreichen Quellen, zum Sehen, Lesen und Hören * Stimmen aus Afrika * aus deutsch-, englisch- und französischsprachigen Medien und Organisationen - seit 15.04.2020, wöchentlich aktualisiert, 30.06.2020  * Nehmen Sie sich Zeit und Muße für die Reise, das Blog zeigt viele Facetten.*  Danke für Ihre Spende***   Anregungen an: imbuto(a)imbuto.net 

Bevölkerung des afrikanischen Kontinents 2019: ca. 1,3 Milliarden Personen in 55 Staaten, ca. 30 Mio. qkm; Europa: 513,5 Mio. Personen, 10 Mio. qkm. Afrika ist der zweitgrößte Kontinent der Welt, ein Kontinent der Vielfalt in Bezug auf Kultur, Geschichte, Bevölkerung, politische Systeme, Religion, Natur, mit mehr als 2000 verschiedenen Sprachen, und  ... die Wiege der Menschheit. Alte Hochkulturen, Handelswege über Tausende km, z.B. von West- nach Ostafrika, Einflüsse aus der arabischen, indischen, europäischen Welt und die Beziehungen zu China prägen Afrika. Die Wirkungen der kolonialen Imperien wie des Sklavenhandels beeinflussen bis heute die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen.


BLACK LIVES MATTER! Während der Beerdigung von George Floyd am 9.06.2020 in Houston, USA, zeigten sich viele Menschen in Afrika solidarisch und knieten nieder, so z.B. in Dakar, Senegal (Le monde, frz. 10.06.2020). Von der Insel Gorée wurden Millionen Menschen als Sklaven verschifft. Wegen der menschenunwürdigen Bedingungen kamen viele nicht in den USA oder Brasilien an, oder sie starben bei Zwangsarbeiten. Solidarisch waren auch viele Menschen in Südafrika, Kenia, Ghana.
In Belgien wurden nach massiven Protesten mehrere Statuen von König Leopold II entfernt. (La Libre, Video, 8.06.2020) Bei der Kolonisierung des Kongos durch Leopold II sind wegen der Fronarbeiten und Misshandlungen Millionen Personen gestorben. Ein historischer Augenblick, nach 147 Jahren, auf Twitter mit  2,5 Mio, die den Film gesehen haben; weitere Verantwortliche für den Kolonialismus, deren Statue nach Jahrhunderten vom Podest geholt wurde, siehe: BBC  10.06.2020

Zum ersten Mal in der Geschichte, 60 Jahre nach der Unabhängigkeit des Kongo, spricht ein belgischer König, König Philippe, in einem Brief an den kongolesischen Präsidenten Félix Tshisekedi sein tiefstes Bedauern für die Gräueltaten während der Kolonialzeit aus: Belgischer Rundfunk 30.06.2020

Dass Europa wie Afrika sich dekolonialisieren müssen, fordert u.a. der Philosoph Achille Mbembe in seinem Werk "Kritik der schwarzen Vernunft". Eine Diskussion zu: "afrotopia-afrikas-zukunft-und-europas-vergangenheit" mit Veye Tatah, Herausgeberin von "Afrika Positive", und dem Kulturjournalisten René Aguigah, SRF Kultur, Sternstunde (56min. 27.03.2020)

Überraschend für viele ist die Tatsache, dass sich das Corona-Virus auf dem afrikanischen Kontinent ganz anders entwickelt als z.B. in Europa, den USA, in Brasilien und auch in Deutschland. Corona wurde zum ersten Mal am 14. Februar 2020 in Ägypten nachgewiesen. Die ersten Fälle kamen von außerhalb des Kontinents z.B. Frankreich, Italien, Dubai, Indien. Der Anstieg der Infizierten und verstorbenen Personen war lange relativ gering, hat sich jedoch beschleunigt. Die Situation am 12.April 2020 wird in diesem Video der BBC gut zusammengefasst (video engl. 12.04.2020).
Bereits im März wurden von mehreren Ländern Ausgangssperren verhängt. Am 25.06.2020 gibt es 338 031 positiv getestete Personen, ca. 0,02% von 1,3 Mill. Bewohner*innen des Kontinents und ca. 1,5% der weltweit Infizierten. 8 877 Personen sind gestorben, nach Angaben des Centre for Disease Control and Prevention CDC (Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention) der Afrikanischen Union in Addis Abeba - Äthiopien, Direktor Dr. John Nkengasong. Das 2017 gegründete CDC ist fachlich sehr gut aufgestellt. U.a. bietet das CDC ein Portal, über das medizinische Geräte und Materialien angeboten und gesucht werden, die besonders in Afrika hergestellt sind.

Grundsätzlich sind absolute Zahlen wenig aussagekräftig. Sie müssten ins Verhältnis mit den Einwohner*innen des Landes gestellt werden.
Aktuell gibt es in Südafrika die meisten Fälle (101 590), gefolgt von Ägypten (55 233), Nigeria (20 244), Ghana (14 154), Algerien (11 771), Kamerun (11 892) und Marokko (9 997). Hier für alle Länder die Angaben pro Land der Fälle und der Maßnahmen, 23.06.2020 Afrikakarte, Jeune Afrique frz., täglich aktualisiert.

Das wichtigste Organ der afrikanischen Staaten ist die: Afrikanische Union, Sitz in Addis Abeba - Äthiopien, aktueller Präsident ist C. Ramaphosa, der Präsident von Südafrika.
Die AU hat sich sehr gut organisiert und ist zurzeit sehr aktiv. So hat sie z.B. im April in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen und der Jack Ma Foundation alle Länder durch Ethiopian Airlines mit Material wie Masken, Handschuhen, Brillen und Beatmungsgeräten beliefert. Sie bietet auf der Webseite umfassende Informationen zu COVID-19 und zu allen Programmen.
Der Generalsekretär der Vereinten Nationen António Guteress stellt fest, dass die meisten afrikanischen Staaten sehr schnell notwendige Maßnahmen wie eine gute regionale Koordination ergriffen, medizinisches Personal mobilisiert, Ausgangssperren und Grenzschließungen angeordnet haben. Zudem habe Afrika die Erfahrungen mit HIV und Ebola genutzt. Die "entwickelte" Welt könne von Afrikas Handeln lernen! Der Standard 20.05.2020

Als eventuelle Gründe für die geringe Verbreitung werden von Forschern genannt: die sehr junge Bevölkerung des Kontinents, die relativ wenigen Kontakte mit anderen Kontinenten, außerhalb der Städte eine geringe Besiedlung, ein eventuell besseres Immunsystem aufgrund von zahlreichen erlebten Krankheiten sowie die klimatischen Bedingungen.
Reflektiert dies die tatsächliche Situation? Oder liegt es daran, dass relativ wenige Personen getestet wurden?


Es gibt international eine breite Diskussion zum Verhältnis des "Armutskontinent" Afrika und des "Reichenkontinent" Europa sowie zur USA. Das auf Afrika bezogene alarmistische Denken und Handeln habe die Macht mancher autoritärer Präsidenten gestärkt und sei eventuell eine postkoloniale Folge der medialen und wissenschaftlichen Abhängigkeit von Europa, Le Monde fr, 5.05.2020
Zahlreiche Intellektuelle des afrikanischen Kontinents nehmen Stellung zum Verhältnis von Europa und Afrika und fordern die nördlichen Staaten wie auch afrikanische Führungskräfte auf, einen radikalen Wandel einzuleiten. Deutschlandfunk Kultur, 28.04.2020 Hier der Offene Brief von mehr als hundert Unterzeichner*innen->Mail&Guardian, engl., Südafrika, 13.04.2020 Zunehmend gibt es Stimmen, z.B. des renommierten Forschungsinstituts für Entwicklung - IRD Frankreich, die argumentieren, dass das Bild, das der Globale Norden von Afrika hat, ein Produkt von Stereotypen und Vorurteilen sei. Die angekündigten Katastrophen entsprächen eher der Wahrnehmung des Nordens vom afrikanischen Kontinent als der aktuellen Situation (Le monde frz. 9.05.2020).

Bisher sind die häufigsten Todesursachen: Malaria, HIV, Tuberkulose, Masern und andere Krankheiten.
Da zurzeit alle Ressourcen für die Bekämpfung von CORONA genutzt werden, sind andere Maßnahmen ausgesetzt, z.B. keine Impfkampagnen gegen Masern, keine Verteilung von Moskitonetzen gegen Malaria, keine Versorgung mit Lebensmitteln, DW 26.05.2020. Beitrag "Andere Richtung" in Afrika, Österreichischer Rundfunk - ORF, 28.05.2020

In den meisten Ländern sind die öffentlichen Gesundheitssysteme sehr schlecht ausgestattet, es gibt viel zu wenig Personal, Ausstattung und Medikamente. Oft sind die relativ geringen Gebühren für die Ärmeren viel zu hoch. Die privaten Einrichtungen können sich nur die wenigen Reichen leisten. Dies wird mit der Pandemie sichtbar, die internationale Politik trägt kaum zur Verbesserung bei (Audio-Beitrag DLF 03.06.2020)
In vielen Ländern fordert das Gesundheitspersonal bessere Arbeitsbedingungen, mehr Material, Schutzkleidung und mehr Anerkennung für ihre Arbeit. In Nigeria, Tunesien und Südafrika streiken viele Angestellte in Krankenhäusern und Gesundheitszentren – sie sind erschöpft, viele Beschäftigte sind gestorben (RFI frz. 19.06.2020)
Kein Zugang zu sauberem Wasser und schlechte hygienische Verhältnisse tragen zu Ursache und Verbreitung  von Krankheiten bei (Zimbabwe, Video, engl., HRW-Human Rights Watch, April 2020)

Zahlreiche wissenschaftliche Institute forschen zu Tests, Medikamenten und Impfungen gegen das Virus, z.B. die Institute Pasteur in Dakar, Senegal, und in Abidjan, Côte d'Ivoire, andere in Kenya, in Südafrika. Inzwischen verfügen alle Länder über Einrichtungen, die Tests durchführen.
Die französische Tageszeitung Le monde (13.05.2020) stellt 11 wichtige Personen während der aktuellen Krise vor, die Entscheidungen beeinflussen oder eine besondere Rolle spielen, z.B. im großen Stil Finanzmittel zur Verfügung stellen. Drei sind Frauen: die Leiterin der Weltgesundheitsorganisation WHO in Afrika, eine Wirtschaftswissenschaftlerin und ehemalige Finanzministerin von Nigeria und die Direktorin des Instituts Pasteur in Abidjan.

Genannt seien auch diejenigen, die ihre Arbeitskraft einsetzen: Ärzte und Ärztinnen, Krankenschwestern und Pflege sowie Familien, die die Kranken und Lebenden versorgen, die den Kindern Mut machen, die Personen, die die Infrastruktur aufrecht erhalten, diejenigen, die Lebensmittel, Mittel zum Leben, produzieren, die unermüdlich helfen und helfen, die pflegen und spirituelle Unterstützung leisten .. und die Toten bestatten.

In vielen Staaten wurden ähnlich strikte Maßnahmen wie in Europa verordnet (Quarantäne, Ausgangssperren, Abstand einhalten, sehr wenige wirtschaftliche Aktivitäten, Schulen und Universitäten geschlossen, Tragen von Mund-Nase-Masken, Einstellung des Flugverkehrs, Schließung von Grenzen, oft kein Transport ...)   Warum Ausgangssperren in Afrika nicht angepasst sind, die Menschen müssen an Entscheidungen beteiligt werden, Erfahrungen mit Ebola in Westafrika, Deutsche Welle-DW 22.04.2020
In diesen Wochen wurden Ausgangssperren teilweise aufgehoben, z.B. in Burkina Faso, Lesotho, Teilen von Nigeria, in Rwanda, Tunesien, Zimbabwe und Südafrika: "Heute hat sich alles hier verändert", so "The South African" (engl. 1.05.2020). Der Verkauf von Alkohol und Zigaretten ist in Südafrika weiterhin verboten.
Manche Staaten haben wegen des Anstiegs der erkrankten Personen Maßnahmen wieder eingeführt. Andere mussten auf Druck der Zivilgesellschaft wie z.B. im Senegal Maßnahmen lockern. Viele Betriebe haben wieder die Arbeit aufgenommen,
Märkte und Geschäfte sind teilweise geöffnet, Busse fahren, und manche Schule wurde geöffnet. Wie in Deutschland ist das Leben etwas entspannter. Die größte Herausforderung ist die Versorgung der Bevölkerung.
Zum Herunterfahren der strikten Maßnahmen in Kenia, Nigeria, Rwanda, Südafrika: BBC, engl. 13.05.2020. In zahlreichen Ländern wurden gewaltsame Maßnahmen gegen Personen eingesetzt, die sich nicht an die Vorschriften halten, z.B. wurden in Zimbabwe 40.000 Personen wegen Missachtung der Ausgangssperre verhaftet (BBC, engl. 26.05.2020). Viele Maßnahmen werden mit Gewalt durchgesetzt, Journalisten und Mitglieder der Zivilgesellschaft verhaftet. Negativbeispiele sind Ägypten und Algerien, wo zahlreiche Regimekritiker*innen verhaftet wurden. Internationale Menschenrechtsorganisationen berichten von zahlreichen restriktiven Maßnahmen und Kontrollen der Regierungen, z.B. Reporter ohne Grenzen, 01.04.2020

Die häusliche Gewalt besonders gegen Frauen und Kindern hat erheblich zugenommen. Frauen aus 48 afrikanischen Ländern appellieren an die Afrikanische Union und das Afrika-Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention, Frauen und Mädchen während der Corona-Pandemie finanziell zu unterstützen, Appel von Aktivistinnen und Aktivisten in Afrika: Femnet Kenya, engl. Gemeinsam für Afrika April 2020
Frauen in Südafrika organisieren sich gegen die Gewalt (DW, Video, 4.06.2020) Die japanische Regierung finanziert mit 4,5 Mio. US$ eine Studie zur Verbesserung der Situation und zu den Wirkungen von Covid-19 auf die Situation von Mädchen und Frauen: UN-WOMEN, engl. 12.06.2020

Im Osten der Demokratischen Republik Kongo werden seit zwanzig Jahren Frauen brutal vergewaltigt. Der Friedensnobelpreisträger 2018 Dr. Denis Mukwege "repariert" bis heute Tausende Frauen und Mädchen im Hôpital Panzi in Bukavu, Süd-Kivu. Mukwege ist am 10.06.2020 vom Posten des Koordinators für den Kampf gegen CORONA zurückgetreten. Bericht zu D. Mukwege: Brot für die Welt

Inzwischen mehren sich die Stimmen, dass die Ausgangssperren zu Hunger führen werden. Es kam zu Plünderungen, da die Menschen nichts zu essen haben. Laut einer Studie des Zentrums für Krankheitskontrolle in Addis Abeba, Äthiopien, die in 20 Ländern durchgeführt wurde, sagen Zweidrittel der Befragten, dass eine 14tägige Ausgangssperre zur massiven Verknappung von Nahrungsmitteln und Wasser und somit zu Hunger führen würde. BBC engl. 6.05.2020, ein Bericht aus Südafrika: "Die quälende Wahl zwischen Seife und Brot", Welt-sichten 10.06.2020

Ausgangssperren sind wenig angepasst an die Situation. Ca. 80% der Bevölkerung leben vom sogenannten informellen Sektor oder in der Landwirtschaft. Das heißt: keine Arbeitsverträge, keine Sozial- oder Krankenversicherung, geringe Ersparnisse, oft mehrere Minijobs (Kleinhandel, Essensküchen, Motorradtaxi, Haushaltshilfen, Lastenträger,  ...), Feldarbeit und vieles mehr, um den täglichen Lebensunterhalt zu sichern. Dazu begrenzte Gesundheitsversorgung, in Städten häufig enge Wohnverhältnisse, kein direkter Zugang zu sauberem Wasser, häufig Krankheiten durch massive Luftverschmutzung z.B. durch Kohleabbau in Südafrika, und in allen Ländern die Verdichtung der Bebauung, Industrialisierung, der Verkehr in Großstädten und z.B. durch Quecksilber vergiftete Böden beim Abbau von Bodenschätzen. 

Kein Job, Schulen und Universitäten geschlossen, ohne Einkommen ist die Alternative oft: Maske oder Essen kaufen: (DW 18.06.2020)

Die Rücküberweisungen (Remittances) an Familien und Freunde in Afrika von Personen, die z.B. in Europa arbeiten, sind massiv zurückgegangen. Damit fällt ein wichtiger Beitrag zur Finanzierung des Lebensunterhaltes in vielen Ländern weg. Der Betrag dieser privaten Rücküberweisungen ist dreimal so hoch wie die gesamte internationale Entwicklungshilfe (DW 29.04.2020), Überweisungen in der Schillerstraße in München, Süddeutsche Zeitung 10.05.2020


Afrika ist ein sehr junger Kontinent in Bewegung - und hat Erfahrungen mit einer Vielzahl von Krisen und Krankheiten, ein Kontinent mit Menschen, die die Dinge selbst in die Hand nehmen. Dies wird aktuell sichtbar. Was kann die Welt in der Corona-Krise von Afrika lernen? DW, 27.04.2020

CORONA in Afrika hat große Auswirkungen auf die Länder des Globalen Nordens. Auf dem afrikanischen Kontinent bauen viele Millionen Menschen Kaffee, Tee, Kakao, Baumwolle, Cashewnüsse, Rosen und Disteln, Kartoffeln, Mais bei Niedrigstlöhnen für die Versorgung Europas an. Sie ernten Kautschuk für Autoreifen, Gummihandschuhe und Schutzkleidung, nähen Textilien, produzieren Schuhe und Elektroteile für die Autoindustrie. Der Tourismus, eine wichtige Einnahmequelle für Länder wie Ägypten, Marokko, Kenia, Senegal, Tunesien und Südafrika, ist zum Erliegen gekommen. Afrika erwartet wirtschaftliche Talfahrt: DW, 27.03.2020

Der materielle Reichtum Afrikas sind Erdöl, Erdgas, Gold, Diamanten, seltene Erden, Bauxit (Aluminium) und Coltan, das in Ihrem Laptop, PC, Smartphone und in Elektroautos ist. Wenn es dies nicht gäbe, könnten Sie dies hier nicht lesen. - Die meisten Rohstoffpreise sind zurzeit im freien Fall. Die Einnahmen für Kupfer sind in Sambia um 30% gesunken. Die Preise für Milch und Baumwolle wie auch für Rinder sind in Westafrika massiv gesunken, somit verdienen die Produzent*innen nur noch sehr wenig.
Wie jede Krise fördert CORONA auf dem jungen Kontinent die Kreativität: Unternehmen und kleine KFZ-Werkstätten stellen auf die Produktion von Beatmungsgeräten, Schutzmasken um, andere stellen Desinfektionsmittel und Studierende mit 3D-Druckern Geräte her. Es gibt überall Start-ups von jungen Leuten, die innovative Projekte entwickeln, z.B. bei einem virtuellen Hackathon in Kenya (DW Video, 04.06.2020).

150 Wissenschaftler, Banker, Unternehmer und Studierende haben an der Universität Kapstadt in Südafrika eine Corona-Tracing-App entwickelt. DW, 12.05.2020, zur Situation der Forschung auf dem Kontinent: DW, 17.05.2020.

Die sprichwörtliche afrikanische Solidarität wird gelebt: So zeichnet sich die AU durch ihr proaktives Handeln aus.
Um Menschen zu helfen, die nichts mehr zu essen haben, werden Familien von reicheren Personen "adoptiert". Berichte aus u.a. Niger, Südafrika, Kenia, Gaza, ... Podcast DER TAG des HR 2, 58 min, 28.04.2020 Zivilgesellschaft und Nicht-Regierungs-Organisationen unterstützen Obdachlose, ledige Mütter, die Jungen helfen älteren Menschen.  Viele Banken, Betriebe und Einzelpersonen spenden für Projekte, Landwirte spenden die Ernte für die städtische Bevölkerung, Schneider und Schneiderinnen nähen Nase-Mund-Masken (BBC, engl. 7.05.2020).
MusikerInnen sensibilisieren für CORONA. Musikalische Sensibilisierung für CORONA in Senegal, Côte d'Ivoire, Togo, DRK, Uganda, Zentralafrikanische Republik Le monde, April 2020, Musiker in Togo klären auf: DW Video, 12.05.2020
Y’en a marre“ – „Uns reicht’s“ ist eine politische Bewegung von jungen Leuten, die sich seit 2011 für gutes Regierungshandeln und gegen viele Missstände z.B. Korruption und soziale Ungerechtigkeiten engagiert, Interview mit dem Rapper Thiat zur aktuellen Situation im Senegal. TAZ 24.05.2020

Eine große Herausforderung war der Ramadan, der Monat der großen Solidarität, der Nächstenliebe, des Fastens und des gemeinsamen Gebets. In allen Ländern wurden Wege gesucht, um die Verhaltensregeln einzuhalten. Am 24. Mai 2020 wurde weltweit das Ende des Ramadans gefeiert Aid el Fitr, engl.,  Bilder zu AiD vom afrikanischen Kontinent, BBC 24.05.2020


Politisch wird die Situation oft genutzt, z.B. um Wahlen auszusetzen. Allerdings sind Wahlen unter den aktuellen Bedingungen auch nur bedingt durchführbar. Interview mit der deutschen Botschafterin Wagener in Addis Abeba und bei der Afrikanischen Union, Äthiopien: "Die Erwartungen an Abiy waren exorbitant" DW, 26.05.2020
In einer Studie zur Situation in acht Ländern, in Algerien, Marokko, Ägypten, Côte d’Ivoire, Nigeria, DR Kongo und Südafrika, wird festgestellt, dass 80% der Befragten befürchten, dass die Pandemie sich weiter ausbreiten wird, ca. 50% fürchten massive wirtschaftliche und soziale Auswirkungen. 81% begrüßen die durchgeführten Maßnahmen der Regierenden, sie hätten sehr gut der Bevölkerung die Notwendigkeit erläutert sowie Programme zur Unterstützung der Wirtschaft und des informellen Sektors durchgeführt. Zudem haben sie Bedürftige unterstützt (Le monde, frz. 02.06.2020). Einschränkend ist festzustellen, dass die untersuchten Länder bis auf die DR Kongo wirtschaftlich recht gut aufgestellt sind.

Faktoren, die die Bedingungen auf dem Kontinent negativ beeinflussen

Der Klimawandel führt zu langen Trockenzeiten, dann zu Überschwemmungen, Menschen verlieren ihr Hab und Gut, sehr viele sterben, wie seit April in der Region Süd-Kivu - DR Kongo; in Burundi, Kenia, Somalia und Rwanda, Nigeria, Côte d'Ivoire und 2019 in Mozambik. Dazu herrscht seit Ende 2019 in Ostafrika die seit 70 Jahren größte Heuschreckenplage BBC, engl., die die Ernte zerstört. DW 11.05.2020

Durch kriegerische Auseinandersetzungen und Terrorismus in der Sahelzone (Westafrika), in Libyen, in der Demokratischen Republik Kongo, in Somalia sowie durch die Terrorgruppe Boko Haram in Nigeria (DW, 29.05.2020), Kamerun, Tschad, Niger und Islamisten in Mozambik sterben täglich hunderte Personen, Millionen Menschen sind vertrieben.

Weltweite Kriege: UN-Generalsekretär António Guterres: Aufruf zu einem Globalen Waffenstillstand, 23.03.2020 Der UN-Sicherheitsrat konnte sich auf eine Resolution, die von Frankreich und Tunesien eingebracht wurde, aufgrund des Einspruchs der USA nicht einigen. DW, 9.05.2020

 

Migration: Zu den großen Verlierern der Krise gehören Vertriebene und Flüchtlinge auf dem Weg zu einer besseren Zukunft, sie stranden im Nirgendwo. In vielen Ländern können sie nicht mehr auf Hilfe hoffen, sie verlieren ihre prekäre Arbeit und stehen in "Konkurrenz" zu jenen, die selbst nichts mehr haben. In Marokko haben Hilfsorganisationen wie die Caritas die Unterstützung eingestellt, in Tunesien ca. 10 000 Geflüchtete ihren Job verloren.

Es dürften Tausende sein, die stranden und oft zwischen die Fronten von Terroristen geraten - in Libyen, im Sahel z.B. Mali, Niger, Nigeria, am Horn von Afrika, im Südsudan, in der DR Kongo, in Mozambik. Berichte und Videos vom Netzwerk afrique-europe-interact.net in Marokko, Niger, Mali, DR Kongo,Togo, Mai 2020

Da in Ostafrika die Grenzen geschlossen sind, kommen viele Asylsuchende nicht weiter und sind ohne jede Hilfe. Eine Koalition von 39 Organisationen aus Kenya, Uganda, Somalia und Südsudan appelliert an die Regierungen und regionale Institutionen, für diese Menschen die Grenzen zu öffnen und sie zu schützenn: reliefweb 23.06.2020

"Black lives matter - am Mittelmeer", ein Bericht aus Zarsis im Süden Tunesiens über Migrant*innen mit der Hoffnung auf ein besseres Leben. TAZ 16.06.2020  Der 20. Juni ist der Weltflüchtlingstag, dazu das BMZ, 20.06.2020
Bericht über die Arbeit von seawatch: IZ3W 24.06.2020
 

Die Maghreb-Staaten Algerien, Marokko und Tunesien sind zugleich Herkunfts-, Transit- und Zielländer für Migrant*innen.  Zurzeit arbeiten sie bei ähnlichen Herausforderungen an einer gemeinsamen Zukunfts-Strategie, die geprägt sein soll durch Resilienz, Vertrauen, gegenseitige Hilfe und Solidarität. La Presse, frz., 21.05.2020

Algerien gehört zu den Ländern mit einer relativ hohen Infektionsrate auf dem Kontinent: 11 504 Personen und 835 Verstorbene. Die aktuellen Lockerungsmaßnahmen führen in einigen Regionen z.B. in der Wilaya Setif zum Anstieg der Todesfälle. Als Gründe werden genannt: Mangel an "sozialer" Distanzierung und Nichttragen von Masken. elwatan, frz. 20.06.2020 
König Mohammed VI von Marokko hat im April eine große Aktion zur solidarischen Unterstützung von 15 Ländern angeordnet. Zurzeit werden diese mit in Marokko hergestelltem Material beliefert: 8 Mio. Masken, knapp 1 Mio. Stück Gesichtsschutz, OP-Hauben, Blusen, Desinfektionsmittel, Chloroquin. Es ist geplant, weitere Staaten zu unterstützen. Jeune Afrique, frz. 15.06.2020 

Tunesien: die Wiege der arabischen Widerstandsbewegungen 2011: getestet wurden 33 266 Personen, 1032 positiv, 45 sind verstorben. Tunesien hatte sehr restriktive Maßnahmen angeordnet, die massive Auswirkungen auf das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben haben. So ist der wichtige Tourismus vollkommen zum Erliegen gekommen. Mehrmals gab es Tage ohne Neuinfektionen. Die Direktorin des Instituts für neue Krankheiten Nissaf Ben Alaya sagte, es müsse mindestens 40 Tage keine Neuinfektionen geben, damit Covid-19 wirklich besiegt ist. Inch'Allah lebess! La Presse, frz. 16.05.2020 Es gibt immer wieder Tage ohne Neuinfektionen, aber dann tauchen erneut infizierte Personen auf, insbesondere Tunesier*innen, die aus dem Ausland zurückkommen: La Presse frz. 20.06.2020

In Libyen herrscht Krieg, der vom Ausland unterstützt wird:  Die Zeit 25.06.2020. Libyen ist auch „Durchgangslager“ für viele Migrant*innen insbesondere aus dem östlichen und aus Subsahara-Afrika. Dort gibt es Menschenhandel, Folterzentren, Vergewaltigungen, von Europa unterstützt: dis:orient 20.06.2020

Die Region der Großen Seen, Zentralafrika: Die Anliegerstaaten der Region der Großen Seen (Tanganjikasee, Victoriasee, Albertsee, Eduardsee, Kivusee) sind Burundi, die Demokratische Republik Kongo – DR Kongo, Kenya, Rwanda, Uganda und Tanzania. Karte der East African Community - Ostafrikanische Gemeinschaft.
Für alle Länder gibt es regelmäßig Berichte unter https://reliefweb.int/ und theeastafrican (täglich, engl.).

In Burundi und Tanzania gibt es wenige Maßnahmen, die vor dem Virus schützen sollen. Dort vertraut man auf Gott!

Trotz CORONA wurden am 20. Mai in Burundi die Parlaments-, Kommunal- sowie die Präsidentenwahl durchgeführt. Politisch wird dies von vielen Beobachtern als äußerst kritisch bewertet, mehrere Personen wurden verhaftet, einige ermordet. Zudem fördern Massenveranstaltungen die schnelle Verbreitung des Virus. Wie erwartet hat der Kandidat des bisherigen Präsidenten Pierre Nkurunziza und der Regierungspartei Evariste Ndayishimiye die Wahlen mit 68,72% der Stimmen gewonnen. NGO IWACU Burundi, engl./ frz., Oenz.de 6.05.2020, der Pressespiegel von OENZ zu Burundi, DR Kongo und Rwanda 2020

Am 8. Juni ist der noch amtierende burundische Präsident P. Nkurunzira, 55 Jahre, plötzlich an einem Herzinfarkt gestorben, FAZ 09.06.2020  Que son âme répose en paix - RIP!   
Sein gewählter Nachfolger E. Ndayishimiye wurde am 18.06. in sein Amt eingesetzt: theeastafrican 18.06.2020

Die DR Kongo ist in Folge des Krieges und Genozids 1994 in Rwanda seit 1996 durch kriegerische Auseinandersetzungen geprägt. Es geht vorrangig um die Kontrolle und Ausbeutung der zahlreichen Ressourcen wie Coltan, Gold, Diamanten, Zink und seltene Erden. Arbeitsbedingungen im Goldabbau, theconversation, engl. 21.05.2020

Wechselnde Koalitionen von Milizen, unterstützt von den Nachbarländern, terrorisieren die Bevölkerung. Zurzeit finden in der Provinz Ituri Kämpfe im Osten der DR Kongo zwischen Bauern und Viehhaltern statt, die von der UN als eventuelle Akte von Genozid bezeichnet werden. Hunderttausende Menschen sind geflüchtet, DW, 29.05.2020

Die weltweit größte Friedensmission der Vereinten Nationen MONUSCO ist seit mehr als zwanzig Jahren vor Ort, bisher gibt es keinen Frieden! www.oenz.de, http://kongo-kinshasa.de/, Radio der Vereinten Nationen Radio Okapi frz.
Der kongolesische Geistliche Cibaka Cikongo über die Folgen der Corona-Krise, FAZ 18.04.2020,
DR Kongo, Ebola-Krise ist noch nicht vorbei, DLF, 12.04.2020
Informationen Robert Koch Instituts -RKI zu Ebola im Osten und Westen des Kongo, RKI 01.06.2020

Wie sich das Leben in Kenia durch Corona verändert hat: Kenyan weddings, births and deaths in the age of Covid - BBC engl. 13.04.2020

Zur Situation in Uganda, Rwanda und Tanzania, ein Bericht von Frederick Golooba-Mutebi, Friedrich Ebert-Stiftung - FES engl. 20.05.2020

Louis Gitinywa aus Rwanda analysiert, wieweit die Entwicklungsstrategie des "Donor Darling" Rwanda auf die aktuelle Situation eine Antwort sein kann. Er weist auf die zunehmende Unzufriedenheit der Bevölkerung hin, da z.B. trotz wochenlanger Ausgangssperre keine Lebensmittel verteilt wurden. Sehr hohe Arbeitslosigkeit verschärft die Situation. FES, engl. 19.05.2020 
In der Region sind häufig Fahrer von Lastwagen, die Güter wie Nahrungsmittel und Benzin von der Ostküste in die sechs Länder fahren, Träger des CORONA-Virus: "They call us CORONA", Beitrag R. Paasch, FES, engl. 3.06.2020

ZUKUNFT: Nach COVID-19

Intellektuelle und junge Aktivisten diskutieren, was sich auf dem Kontinent ändern muss, so z.B. Achille Mbembe der Universität Witwatersrand in Südafrika, Aminata Dramane Traoré, Aktivistin und ehemalige Ministerin für Kultur in Mali, die Sängerin Angélique Kidjo aus Benin, Felwine Sarr, Wirtschaftswissenschaftler - Autor von Afrotopia, Senegal, und andere diskutieren vom 8. bis 10. Mai 2020 auf RFI - Radio France internationale, frz. 8.05.2020

Blogs der Friedrich Ebert-Stiftung - FES beschreiben in verschiedenen Bereichen die Situation in mehreren Ländern, engl./ franz. 2020

Projekt "Danachgedanken" des Goethe-Instituts mit Beiträgen der Aktivistin Nanjira Sambuli in Kenya, der Psychologin Assumpta Mugiraneza, IRIBA Centre Rwanda, der Schriftstellerin Urvashi Butalia, Indien, und viele andere. 2020



Finanzierungen, Schuldenmoratorium, nationale Finanzmittel, Transparenz:

Mit #FollowCovid19Money verlangen junge AktivistInnen auf dem Kontinent die Verwendung der Gelder offenzulegen: Twitter. 

Der Internationale Währungsfonds stellt mehreren Staaten in Afrika Mittel zur Verfügung, um die Pandemie zu bekämpfen, z.B. der DR Kongo US$ 363.27 Mio. 22.04.2020. Ab sofort setzt er für 25 ärmste Länder dieser Welt die Rückzahlung der Kredite für sechs Monate aus, 19 Staaten in Afrika, darunter DR Kongo und Rwanda  IMF, engl., 13.04.2020 Rwanda erhält vom Internationalen Währungsfonds US$ 109.4 Millionen, um die Kosten der COVID-19 Pandemie zu decken -  IMF Executive Board Approves a US$109.4 Million Disbursement to Rwanda to address the COVID-19 Pandemic, engl. 02.04.2020
Inzwischen wurden vielen Staaten weitere Finanzmittel zur Verfügung gestellt, so z.B. auch durch das
Durch die Umschichtung von Mitteln werden aktuell ca.3 Milliarden Euro bereitgestellt für: Verstärkung, Ausbau der weltweiten Gesundheitsinfrastruktur, Nothilfen zur Stabilisierung der Krisenregionen und Flüchtlingscamps, insbesondere der Sahel-Region und des Krisenbogens Syrien, Maßnahmen zur Ernährungssicherung und zur Sicherung von Arbeitsplätzen. BMZ, 20.06.2020

Neues EZ-Konzept: Das BMZ will zukünftig vor allem Länder fördern, die Reformen zu guter Regierungsführung umsetzten, Menschenrechte wahren und Korruption bekämpfen. Damit werden einige der ärmsten Länder in Afrika u.a. Burundi, Liberia und Sierra Leone ausgeschlossen. BMZ 2030, DLF-Kultur, 09.05.2020

Afrika-Karte: Anzahl der positiv Gesteten, der Genesenen, Verstorbenen und Maßnahmen Jeune Afrique frz.