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Konflikte, Kriege, Genozid und Ressourcen

Seit Begin der 1990er Jahre wurde die Region der Großen Seen zu einem der Hauptkrisengebiete Afrikas. Humanitäre, sicherheits- wie auch entwicklungspolitische Probleme haben sich zu komplexen Konflikt- und Gewaltstrukturen verbunden, welche die Entwicklung der einzelnen Staaten bis heute bestimmen. Die folgenden Informationen geben einen Überblick über regionale wie lokale Konflikte und die Perspektiven der unterschiedlichen Akteure.

ausserdem:

 

AEGIS Trust

www.aegistrust.org (Englisch)

NGO mit dem Ziel der Prävention und Aufarbeitung von Genoziden, Beratung des Kigali Memorial Centre, sehr aktiv in der Region, insbesondere in Rwanda. Arbeitsschwerpunkte sind Friedenserziehung und Bildungsarbeit, Schutz von Personen, die sich in Krisengebieten engagieren in denen ein Genozid droht, Hilfe für Überlebende von Genoziden. Äußerst umfangreiches Dokumentationsarchiv zu Genoziden, insbesondere zu Rwanda und Darfur, Projektbeschreibungen, Vor-Ort Berichte, umfangreiches Datenmaterial, sehr gute Recherchemöglichkeiten, zahlreiche Online-Publikationen und Mediendateien.

African Peace Forum (APFO)

www.amaniafrika.org (Englisch)

NGO mit Sitz in Nairobi, im Bereich der zivilen Konfliktprävention und der Früherkennung von Krisensituationen in der Region der Großen Seen und am Horn von Afrika tätig. Schwerpunkte: Stärkung der Rolle von Frauen, Krisenprävention und Krisenbewältigung. Zusammenschluss mehrerer NGOs aus der Region im Great Lakes Early Warning Network, um durch Vernetzung und Informationsaustausch die Fähigkeiten zur Früherkennung humanitärer Krisen und innerstaatlicher Konflikte zu verbessern. Zugriff auf Informationen zu Aktivitäten und Partnerorganisationen des Forums, Konferenz- und Workshopberichte. Forum mit Meldungen und Berichten der Partnerorganisationen.

 

Coalition for Peace in Africa (COPA)

www.copafrica.org (Englisch, Französisch)

Forum für verschiedene Organisationen der zivilen Konfliktbearbeitung in Afrika, Stärkung und Ausbau der lokalen und regionalen Netzwerke in den Bereichen Konfliktprävention und Versöhnungsarbeit. Weiterführende Informationen und Dokumente, Projektberichte, Programminformationen zu einzelnen Projekten sowie Bildergalerie und Newsletter, Verzeichnis von Partnerorganisationen.

 

The Carter Center

www.cartercenter.org (Englisch)

Vom ehemaligen amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter gegründete NGO, schwerpunktmäßig in den Bereichen Menschenrechte, zivile Krisen- und Konfliktprävention, Gesundheitspolitik und Demokratisierung tätig. Im Bereich der Region der großen Seen war das Carter Center im Rahmen seines Conflict Resolution Programms zwischen 1995 und 1997 aktiv. Online-Zugriff auf zahlreiche Dokumente, Analysen und Gutachten zum download, Recherchemöglichkeiten in einer virtuellen Fachbibliothek.

 

Friedensmissionen der Vereinten Nationen in Rwanda und der Region der Großen Seen

Weiterführende Informationen zu UN-Friedensmissionen in der Region der Großen Seen, Mandatsbeschreibungen der Missionen, Hintergrundberichte, Statistiken, Beschlüsse und Dokumente der UN, Photogalerie.

International Alert

www.international-alert.org (Englisch)

NGO, tätig im Bereich der Friedens- und Versöhnungsarbeit, ist in von Gewalt und Krieg betroffenen Gebieten mit ExpertInnen und Beratungsteams vor Ort, organisiert u.a. Workshops, Trainingsprogramme für zivile Konfliktbearbeitung und Dialogforen, dokumentiert die Situation vor Ort und berät lokale Entscheidungsträger. Informationen über das umfangreiche regionale und thematische Spektrum der Arbeit, zahlreichen Informationsseiten zu den Ländern und zu Partnerorganisationen. Zusätzlicher Nachrichtenüberblick zu aktuellen Krisengebieten.

 

Internal Displacement Monitoring Centre (IDMC)

www.internal-displacement.org (Englisch, Französisch)

NGO, die eng mit der UN auf dem Gebiet der Flüchtlingshilfe zusammenarbeitet, vor allem Advocacy Arbeit sowie Trainingskurse für Fachkräfte. Kernstück des Zentrums ist ein Informationsportal sowie eine Datenbank zur Flüchtlingsproblematik und den Ursachen von Krisen und Konflikten. Äußerst umfangreichen Informationen, Dokumente und Berichte zu  Krisen und Konflikten in der Region der großen Seen, Zugang zu vielen Informationsquellen, umfangreiche Linklisten mit Verweisen zu in der Region ansässigen Organisationen, sehr gutes und umfangreiches Kartenmaterial.

 

International Crisis Group (ICG)

www.crisisgroup.org (Englisch, Französisch)

NGO, versucht durch Informations- und Advocacy Arbeit auf internationaler Ebene, Krisen und Konflikte zu lösen, in Burundi, Rwanda und besonders in der Demokratischen Republik Kongo aktiv. Nach einer kostenlosen Registrierung Zugriff auf sehr gut recherchierte und umfangreiche Berichte und Analysen zu Konfliktgegenständen, Akteuren und den neusten Entwicklungen.

 

International Peace Academy (IPA)

www.ipacademy.org (Englisch)

Schwerpunkt der Arbeit ist die Vernetzung der unterschiedlichen Akteure. Durchführung von Workshops, Trainingsseminaren und Symposien zum Erfahrungsaustausch zu Konflikt- und Krisenprävention. Online-Zugang zu Publikationen aus den Arbeitsfeldern, komplette Publikationsliste über Suchfunktion. Zugriff auf kurze Hintergrundberichte, Analysen und Studien zu aktuellen Themen der Konfliktprävention, Konferenzberichte und Veranstaltungskalender.

 

Kigali Memorial Centre

www.kigalimemorialcentre.org (Englisch)

2004 eingeweihtes Erinnerungs- und Dokumentationszentrum in Kigali zum Genozid in Rwanda, mit Unterstützung von AEGIS Trust, sehr umfangreiche und ausführliche Dokumentation zum Genozid in Rwanda, den Akteuren und der gesellschaftlichen und politischen Aufarbeitung. Verzeichnis von Gedenkstätten in Rwanda mit Informationen und Bildern. Datenbank mit zahlreichen Augenzeugenberichten, ein Dokumentationsarchiv befindet sich gerade im Aufbau.

 

Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI)

www.sipri.org (Englisch)

Forschungsinstitut im Bereich der Friedens- und Konfliktforschung. Forschungsschwerpunkte sind Sicherheitspolitik, Proliferation von Waffen, Waffenhandel, Militärpolitik, Konfliktprävention sowie regionale Sicherheit. Sehr umfangreiche Dokumentation mit statistischen Materialien. Zugriff auf Datenbanken zu den verschiedenen Forschungsschwerpunkten und eine Nachrichtenseite mit aktuellen Meldungen zu Frieden und Sicherheit.

 

SwissPeace

www.swisspeace.ch (Englisch)

Privates Forschungsinstitut, praxisnahe Forschung zu Krisen und Konfliktprävention. Neben einem Frühwarnssystem für Konflikte, FAST International, unterhält die Organisation auch ein Zentrum für Peacebuilding Einsätze (KOFF). Umfangreiche Hintergrundberichte zur Entwicklung aktueller Konflikte in der Region der Großen Seen und Pressemeldungen zu den betreffenden Konflikten.

 

Survivors Fund (SURF)

www.survivors-fund.org.uk (Englisch)

Nach dem Genozid in Rwanda gegründete NGO zur Unterstützung der Überlebenden und deren Nachkommen. Schwerpunkte: HIV/AIDS, psychologische Unterstützung, Bildungsmaßnahmen und Ausbildungsförderung, Erinnerungs- und Advocacy Arbeit. Diverse Projekte in Rwanda, Jahresberichte zur Arbeit der Organisation und Augenzeugenberichte, ausführliche Projektbeschreibungen, Lern- und Arbeitsmaterialien.

 

United States Holocaust Museum

www.ushmm.org (Englisch)

Museum zum Gedenken und der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Holocaust, auch zu aktuellen Konflikten die genozidale Züge aufweisen, Beobachtung der Lage in der Region,, sehr gut strukturierte Webseite mit umfassenden Informationen, aktuellen Meldungen, Webverzeichnissen und umfassenden Hintergrundinformationen zu den jeweiligen Ländern. Hintergrundberichte sowie zahlreiche Mediendateien (Filme, Foto-Essays, Interviews), Podcast mit Interviews und Berichten aus der Region.



Buch:

Ein Volk verläßt sein Land - Krieg und Völkermord in Rwanda  

Übriggeblieben  

Marie-Grâce
 

Ich heiße Marie-Grâce und bin am 10.08.84 in Cyangugu/Rwanda geboren, ich bin also zehn Jahre alt. Ich war die Jüngste in der Familie, wir waren zehn Kinder, von denen acht (3 Jungen und 5 Mädchen) bis zu jenem 6. April noch lebten, als dieses furchtbare Massaker und der Krieg in Rwanda wieder ausbrachen.

Ich war die einzige, die noch auf die Grundschule ging. Das heißt, daß ich, außer während der Ferien, wenn die anderen aus dem Internat nach Hause gekommen sind, allein mit den Eltern gelebt habe. Um die Osterferien zu Hause zu verbringen, waren, als dieser Krieg ausbrach, drei Brüder und eine Schwester gerade bei uns.

Am 7. April hat Radio Rwanda am frühen Morgen den Tod des Präsidenten gemeldet, der durch einen Flugzeugunfall umkam, und da haben sofort der Terror und die Massaker begonnen. Wir lebten in Angst, keine Tutsi-Familie verbrachte mehr die Nächte im eigenen Haus. Am 11. April haben wir Schüsse bei einem benachbarten Händler gehört, der ein oppositioneller Hutu war. Sofort haben unsere Eltern gesagt, daß wir unser Haus verlassen und fliehen müssen.

Wir hatten schon von Massakern an Tutsi-Familien in Kigali gehört, also wollten wir uns Verstecke bei Hutu-Familien suchen. Aber diese wollten nicht, sie hatten Angst. Also wollten wir uns zusammentun und uns bei einer Tutsi-Familie verstecken, die nicht so bei den Behörden bekannt war. So kam es, daß sich vier Tutsi-Familien, darunter die meinige, in einem kleinen Haus ein paar Meter von unserem entfernt versteckten, mit mir zusammen meine Mutter, meine Schwester und einer der Brüder. Währenddessen versteckten sich mein Vater und die beiden anderen Brüder in der Kapelle unserer Siedlung.

Unglücklicherweise wurden wir die ganze Zeit von Milizen in der Nachbarschaft beobachtet, was wir aber nicht wußten. Als die Soldaten kamen, war es also nicht schwierig, uns zu finden. Am 11. April um 14 Uhr kamen die Soldaten mit den Milizen und haben uns draußen versammelt und befohlen, uns niederzulegen. Dann haben sie geschossen. Ich lag neben meiner Mutter, und durch Zufall hat mich keine Kugel getroffen. Aber meine Mutter wurde in den Kopf getroffen und starb sofort. Meine Schwester war auf der anderen Seite neben mir und wurde auch getroffen, sie starb nach wenigen Minuten. Vor ihrem Tod hat sie sehr schwer geatmet, ich habe sie aufgefordert, ruhiger zu sein, damit die Soldaten nicht merken, daß wir noch leben. Aber sie wurde nicht ruhiger, und da sah ich auch das Blut um ihre Nase und ihren Mund herum. Ich habe sie gefragt: "Wirst du jetzt sterben?" Sie hat geantwortet: "Ich glaube schon" - "Also muß ich dir jetzt auf Wiedersehen sagen?..." Aber in dem Moment hauchte sie schon ihren Geist aus.

Mein Bruder wurde ein paar Meter entfernt getötet. Er hatte zuviel Angst, er hat den Kopf verloren und wollte davonlaufen, zu spät! Es hat in unserer Gruppe ein paar Überlebende gegeben und als die Soldaten weg waren, sind ein paar freundliche und vernünftige Leute gekommen, um uns zu holen. Sie wollten uns retten und brachten uns in ein am Ort geschaffenes Lager. Das war eine schwierige Zeit, da die Milizen alle Überlebenden mittels Machete ausrotten wollten und ständig drohten, uns umzubringen. Alle Häuser der Tutsi wurden geplündert, verbrannt und alles durch die Soldaten und vor allem durch die Milizen zerstört.

In unserem sogenannten Lager hatten wir nichts zu essen und lebten praktisch von Wasser. Es gab seltene Fälle, wo liebe Leute uns etwas zu essen brachten. Wir waren so hungrig, daß es nicht für alle genug war. Die entkommenen Erwachsenen strengten sich sehr an und kümmerten sich um die Kinder, aber es war schwierig, da sie nicht das Recht hatten, etwas zu essen zu besorgen, nicht mal von ihren eigenen Feldern. Nach ein paar Tagen sind die Milizen gekommen und haben einige Erwachsene grausam umgebracht.

Am 15. April habe ich im Lager erfahren, daß auch mein Vater und die Brüder, die in der Kapelle versteckt waren, unter Folter getötet wurden. Ich war so traurig, daß ich nicht mehr leben wollte. Ich wollte auch sterben, weil es niemanden mehr von meiner Familie gab. Die Onkels und Tanten, Freunde, alle waren getötet.

Als die Milizen begannen, die Leute aus dem Lager zu töten, haben einige Hutu uns geholfen zu fliehen, vor allem uns den Kindern. Ein Nachbar unserer Eltern hat mich mitgenommen und bei sich versteckt. Aber da die Familie, die mich versteckte, auch bedroht wurde, hat man mich zu einem früheren Kuhhirten meiner Eltern geschickt. Dort verbrachte ich ein paar Tage, aber das Leben dort war sehr schwierig. Es gab nicht genug zu essen, also hat man mich zu einer verwandten Familie geschickt, die Mohammedaner waren.

Es ging um Leben oder Tod, als Tutsi eine Reise zu machen, aber ich mußte sie machen und wurde von einem Mädchen und einer Hutu-Frau begleitet. Unterwegs wollten die Soldaten mich an einer Barriere nicht weiterlassen. Einer von ihnen hätte beinahe auf mich geschossen, zum Glück hat es ihm ein anderer, freundlicher, verboten. Ich glaube, das war sein Vorgesetzter. Das war das zweite Mal, daß ich knapp dem Tod entwischt bin.

In dieser moslemischen Familie fehlte es nicht an Essen, aber ich hatte große Angst, weil sie mich zu ihrer Religion bekehren wollten. Doch die Zeit ist schnell vergangen, ich habe dort einen Monat gelebt. Und als die Inkotanyi Kigali einnahmen, hat Radio Rwanda verkündet, daß wir fliehen und das Land verlassen müssen, und so hat mich die moslemische Familie nach Bukavu mitgenommen. Dort wurde ich von einer befreundeten Familie aufgenommen, die wußte, daß meine Schwester und ihr Mann in Deutschland mich suchten. Mit dieser Familie bin ich nach Bujumbura gekommen. Dort wurde alles vorbereitet für meine Reise nach Deutschland, und so kam ich zu meiner älteren Schwester und ihrer Familie.



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